Finanzierung & Zinsen
Euribor 2026: Aktuelle Entwicklung und Prognose
Der Euribor hat 2026 die Richtung gewechselt. Was hinter dem Anstieg steckt und was bis Jahresende erwartet wird.
Wer einen variabel verzinsten Kredit hat, schaut dieser Tage genauer auf den Euribor als noch vor einem Jahr. Nach einer langen Senkungsphase hat die Europäische Zentralbank im Juni 2026 die Zinswende nach oben eingeleitet — und die Märkte preisen weitere Schritte ein. Dieser Beitrag fasst zusammen, wo der Euribor heute steht, wie es dazu kam und was bis Jahresende realistisch ist.
Was ist der Euribor — und warum ist er relevant?
Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) ist der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander unbesicherte Kredite gewähren. Er ist der wichtigste Referenzzins für variable Immobilienfinanzierungen in der Eurozone — jede Anpassung wirkt sich direkt auf die monatliche Kreditrate aus.
Am häufigsten genutzt wird der 3-Monats-Euribor. Er folgt in der Regel eng den Leitzinsentscheidungen der EZB, reagiert aber auch schneller auf Markterwartungen — und zeigt damit oft schon an, wohin die Reise gehen könnte, bevor die EZB offiziell entschieden hat.
Die EZB-Entscheidungen 2026 im Überblick
Das Jahr 2026 begann zunächst mit stabilen Leitzinsen. Seit Juni 2025 hatte die EZB den Einlagensatz bei 2,00 % gehalten. Das änderte sich am 11. Juni 2026: Die EZB hob alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte an. Seitdem gelten folgende Sätze (Stand: 23. Juli 2026):
Einlagensatz: 2,25 %
Hauptrefinanzierungssatz: 2,40 %
Spitzenrefinanzierungssatz: 2,65 %
Auf der Sitzung vom 23. Juli 2026 beließ die EZB diese Sätze unverändert — eine Zinspause, keine Entwarnung. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schloss auf der Pressekonferenz eine weitere Anhebung im September ausdrücklich nicht aus. Die nächste ordentliche EZB-Sitzung findet am 10. September 2026 statt.
Hintergrund der Zinserhöhung ist unter anderem der Anstieg der Inflation infolge des Iran-Kriegs, der seit Februar 2026 die Energiemärkte belastet und die Geldpolitik vor ein klassisches Stagflations-Dilemma stellt.
Euribor-Entwicklung 2026: Vom Tief zum Anstieg
Der 3-Monats-Euribor hatte im Juli 2025 ein Zwischentief von rund 1,94 % markiert. Seitdem ist er kontinuierlich gestiegen und lag am 10. August 2026 bei knapp 2,48 %. Zum Vergleich: Mitte Juli 2026 notierte er laut Zinsdaten bei 2,472 %.
Ähnlich der 12-Monats-Euribor: Er lag Anfang August 2026 bei 2,939 % (Stand: 3. August 2026). Damit liegt die gesamte Euribor-Kurve deutlich über den Tiefstständen des Vorjahres — und nähert sich wieder einem Niveau, das viele Kreditnehmer aus der Hochzinsphase 2023/2024 kennen.
Prognose: Was bis Ende 2026 zu erwarten ist
Die Märkte sind sich weitgehend einig: Es ist noch nicht vorbei. Die Forward-Kurve des 3-Monats-Euribor signalisiert, dass wir kurz vor einer weiteren Leitzinserhöhung stehen könnten. Konkret preisen die Futuresmärkte bis Dezember 2026 einen 3-Monats-Euribor von rund 2,75 % ein (Stand: 11. Juni 2026). Die LBBW rechnet ebenfalls mit zwei weiteren EZB-Anhebungen und einem Einlagensatz von 2,75 % bis Jahresende.
Der erwartete Peak des Euribor wird laut Markteinschätzungen für die Monate August bis Oktober 2027 bei rund 2,93 % gesehen (Stand der Prognose: 11. Juni 2026). Wichtiger Vorbehalt: Die Erwartungen unterliegen derzeit starken Schwankungen. Unvorhersehbare Ereignisse können Wirtschaft und Zinsen erheblich beeinflussen — Prognosen sind hier keine Garantien.
Daneben schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab: Die EZB rechnet für 2026 nur noch mit einem Wachstum von 0,8 % in der Eurozone. Höhere Energiepreise und schwächere Realeinkommen belasten. Das begrenzt den geldpolitischen Spielraum nach oben — wie weit die EZB tatsächlich geht, hängt von den kommenden Inflationsdaten ab.
Was bedeutet das für Kreditnehmer?
Wer einen variabel verzinsten Kredit hat — etwa eine Immobilienfinanzierung mit Euribor-Bindung — zahlt heute mehr als noch vor zwölf Monaten. Und es könnte bis Jahresende noch etwas mehr werden. Wer aktuell eine Finanzierung plant, sollte folgende Punkte abwägen:
Variabler Zins: Im aktuellen Umfeld steigendes Zinsrisiko. Kurzfristige Ersparnis, aber wenig Planungssicherheit.
Fixer Zins: Die 10-jährige Bundrendite lag Ende Juli 2026 bei 3,20 % — das beeinflusst Fixzins-Konditionen direkt. Langfristige Sicherheit hat ihren Preis.
Zinsanpassungsfristen prüfen: Bei bestehenden variablen Krediten lohnt ein Blick in den Vertrag, wann und wie oft der Euribor angepasst wird.
Wer auf Mallorca eine Immobilie finanziert oder bestehende Kredite überprüfen möchte, sollte die Entwicklung der nächsten EZB-Sitzung am 10. September 2026 im Blick behalten. Die Entscheidung der EZB fällt datenabhängig — belastbare Zahlen zur Inflation werden bis dahin maßgeblich sein.
Quellen
INFINA: EURIBOR – aktuelle Zinssätze & Entwicklung — infina.at
LBBW: EZB-Zinsentscheid – Aktueller Leitzins, Prognosen und Termine 2026 — lbbw.de
Kagels Trading: EZB Zinsentscheid 2026 – Termine, Uhrzeit & aktuelle Zinsen — kagels-trading.de
Duratio: Zinsprognose – Voraussichtliche Zinsentwicklung 2026 — duratio.de
Biallo: EZB-Leitzins 2026 – Aktueller Zins, Entwicklung & Definition — biallo.de
Stand: 14. August 2026
